Insolvenzrisiken steigen weiter an
„Wer zu spät reagiert, riskiert nicht nur den Handlungsspielraum seines Unternehmens, sondern möglicherweise auch die eigene Haftungsposition."
Die wirtschaftlichen Belastungen treffen die Branchen unterschiedlich stark. Besonders gefährdet bleiben Unternehmen mit hoher Kostenbelastung, schwacher Nachfrage oder hohem Finanzierungsbedarf. Wer sein Insolvenzrisiko prüfen möchte, sollte frühzeitig handeln. Verbleibende Handlungsspielräume müssen konsequent genutzt, Liquidität und Unternehmensentwicklung integriert geplant und mögliche persönliche Haftungsrisiken im Blick behalten werden.
Ist auch Ihr Unternehmen gefährdet?
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Insolvenzen 2025
Prognose Allianz Trade
Anstieg 2026
auf 24.150 Fälle
Leichter Rückgang 2027
bei stabiler Konjunktur
Unternehmensinsolvenzen in Deutschland 1990–2026
Quellen: Allianz Research / Allianz Trade, PARES Recherchen
Insolvenzentwicklung nach Branchen
2025: Deutliche Zuwächse in mehreren Sektoren
Zentrale Risikofaktoren 2026/2027
Zyklische und strukturelle Faktoren bestimmen die Dynamik
⚠ Deutschland im Fokus
Bei einer weiteren Eskalation des Nahostkonflikts könnten die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland 2026 auf knapp 25.000 Fälle steigen. Gerade deshalb sollten Geschäftsführer ihr Insolvenzrisiko prüfen – bevor externe Schocks die Lage verschlechtern. Zusätzlichen Druck könnten Marktverwerfungen bei überbewerteten Technologien sowie wirtschaftliche Unsicherheiten, etwa eine weitere Abwertung des US-Dollars, auslösen. Insbesondere mittelständische Unternehmen stehen unter Druck: Viele Betriebe verfügen nach mehreren Krisenjahren über geringere finanzielle Puffer, während gleichzeitig die Finanzierungskosten steigen.
Insolvenzrisiko prüfen: Häufige Fragen
Alles was Geschäftsführer über Zahlungsunfähigkeit, Haftung und das Insolvenzrisiko prüfen wissen müssen
Zahlungsunfähigkeit nach § 17 InsO liegt vor, wenn ein Unternehmen nicht in der Lage ist, seine fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen. Als Faustregel gilt: Besteht eine Liquiditätslücke von 10 % oder mehr, ist innerhalb von 3 Wochen zu prüfen, ob diese dauerhaft beseitigt werden kann. Andernfalls besteht Insolvenzantragspflicht.
Die Formel lautet: (Fällige Verbindlichkeiten − verfügbare liquide Mittel) ÷ Fällige Verbindlichkeiten × 100. Ergibt dieser Wert 10 % oder mehr, ist eine 3-Wochen-Prognose zur Zahlungsfähigkeit zwingend erforderlich. Der PARES InsOCheck führt Sie durch diese Berechnung.
Geschäftsführer haften persönlich, wenn nach Eintritt der Insolvenzreife kein Insolvenzantrag gestellt wird. Die Antragspflicht nach § 15a InsO besteht spätestens innerhalb von 3 Wochen nach eingetretener Zahlungsunfähigkeit und 6 Wochen nach eingetretener Überschuldung. Bei drohender Zahlungsunfähigkeit (§ 18 InsO) besteht ein Antragsrecht, aber keine Pflicht. Verstöße führen zur persönlichen Schadensersatzpflicht gegenüber Gläubigern.
Für 2025 prognostiziert Allianz Trade 24.064 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland – der höchste Stand seit 2012. Für 2026 wird ein weiterer Anstieg auf 24.150 Fälle erwartet, 2027 ein leichter Rückgang auf ca. 24.150.
Besonders stark betroffen in 2025: Gastgewerbe (+27 %), Verarbeitendes Gewerbe (+24 %), Handel (+15 %), Baugewerbe (+10 %) und Dienstleistungen (+10–12 %). Weitere Risikobranchen: Logistik, Automotive, technologieabhängige Unternehmen.
Der PARES InsOCheck ist ein kostenloses Tool um das Insolvenzrisiko zu prüfen – anonym, ohne Registrierung, in ca. 3 Minuten. Er prüft anhand der drei gesetzlichen Insolvenztatbestände (§ 17 Zahlungsunfähigkeit, § 18 drohende Zahlungsunfähigkeit, § 19 Überschuldung), ob Handlungsbedarf besteht. Ergebnis in ca. 3 Minuten – ohne Dateneingabe.
Bei Insolvenzgefahr sofort handeln: 1) Liquiditätsstatus erstellen, 2) Zahlungsunfähigkeit prüfen, 3) rechtliche Beratung einholen, 4) Restrukturierungsoptionen prüfen (StaRUG, außergerichtlicher Vergleich), 5) ggf. Insolvenzantrag stellen. Frühzeitiges Handeln erhält Handlungsspielraum und schützt vor persönlicher Haftung.
Hauptursachen: hohe Energiekosten, gestiegene Zinsen, schwache Binnenkonjunktur, rückläufige Exportnachfrage, geopolitische Risiken, nachlassende Staatshilfen. Viele Mittelständler haben in den Krisenjahren finanzielle Puffer aufgebraucht und stehen jetzt ohne Spielraum da.
PARES Plan – Weniger Risiko – Mehr Entscheidungssicherheit
Vertiefende Beiträge zu Insolvenzrecht und Geschäftsführerpflichten
§ 17 InsO · Checkliste
Zahlungsunfähigkeit erkennen: Die Checkliste für Geschäftsführer
Frühwarnzeichen, die 10%-Formel und konkrete Handlungsschritte – damit Sie Zahlungsunfähigkeit erkennen, bevor es zu spät ist.
Jetzt lesen →§ 17 InsO · Berechnung
Die 10%-Formel nach § 17 InsO: Berechnung mit Praxisbeispielen
Drei konkrete Rechenbeispiele zeigen, wie die Liquiditätslücke korrekt berechnet wird – und welche Fehler Geschäftsführer dabei machen.
Jetzt lesen →Haftungsrecht · § 15b InsO
Geschäftsführerhaftung bei Insolvenz: Was Ihnen persönlich droht
Wann haftet der GmbH-Geschäftsführer persönlich? Zahlungsverbote, Strafrecht und wie Sie sich schützen.
Jetzt lesen →§ 15a InsO · Fristen
Insolvenzantragspflicht: Fristen, Pflichten und Konsequenzen
3 Wochen oder 6 Wochen? Wer muss wann einen Insolvenzantrag stellen – und was droht bei Verletzung der Antragspflicht?
Jetzt lesen →§ 17 InsO · Fallbeispiel
§ 17 InsO Praxisbeispiel: So prüft ein Mittelständler seine Zahlungsfähigkeit
Ein Maschinenbauer in der Krise: Schritt für Schritt durch Liquiditätsstatus, 10%-Formel und 3-Wochen-Prognose – mit echten Zahlen.
Jetzt lesen →§ 18 · § 19 InsO
§ 18 und § 19 InsO: Drohende Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung erklärt
Alle drei Insolvenztatbestände im Vergleich – mit Fortbestehensprognose, Überschuldungsbilanz und Praxisbeispielen.
Jetzt lesen →Wie wird die Liquiditätslücke ermittelt?
Als Geschäftsführer prüfen Sie ausschließlich den heutigen Tag (Stichtag).
Es geht nicht um die Zukunft, geplante Einnahmen, gute Aussichten oder Maßnahmen, die erst noch kommen — sondern nur darum, ob das Unternehmen heute alle Zahlungen leisten kann, die heute fällig sind.
Es müssen zwei Zahlen ermittelt werden:
A. Fällige Verbindlichkeiten am Stichtag
Was zählt dazu? Alles, was rechtlich heute bezahlt werden muss:
- Lieferantenrechnungen mit Fälligkeit ≤ Stichtag
- Löhne und Gehälter, die heute zahlbar sind
- Sozialversicherungsbeiträge
- Steuerzahlungen (USt, LSt, KSt), sofern fällig
- Zinsen und Tilgungen
- Mieten, Leasingraten
- Sonstige Zahlungsverpflichtungen mit heutiger Fälligkeit
Nicht einzubeziehen:
- Noch nicht fällige Rechnungen
- Gestundete Verbindlichkeiten (mit wirksamer Vereinbarung)
- Bestrittene Forderungen
- Rückstellungen
- Zukünftige Verpflichtungen
B. Verfügbare liquide Mittel am Stichtag
Was zählt dazu? Alles Geld, über das das Unternehmen heute tatsächlich verfügen kann:
- Bankguthaben (frei verfügbar)
- Kassenbestand
- Sofort abrufbare Kreditlinien (nicht gekündigt, nicht unter Bedingungen)
- Fest zugesagte, sofort abrufbare Gesellschafterdarlehen
Nicht einzubeziehen:
- Offene Kundenforderungen
- Erwartete Zahlungseingänge
- Geplante Darlehen
- Mündliche Zusagen
- Umsätze der nächsten Tage
Berechnung der Liquiditätslücke
Die 10 %-Formel dient zur Beurteilung, ob eine Liquiditätslücke insolvenzrechtlich relevant ist und damit eine 3-Wochen-Betrachtung auszulösen ist.
Wie funktioniert die 3-Wochen-Prüfung nach § 17 Abs. 2 InsO?
Ist es heute realistisch und belastbar sicher, dass innerhalb von 21 Tagen genug Geld zufließt, um alle fälligen Zahlungen vollständig zu leisten?
Nicht: „Kommt bald Geld?" — Nicht: „Haben wir gute Aussichten?" — Nicht: „Wird es irgendwie klappen?"
Für die nächsten 21 Tage müssen zwei Größen gegenübergestellt werden:
✓ Zulässige Einzahlungen
Nur gesicherte Zuflußsse dürfen berücksichtigt werden:
- Zahlungseingänge aus Forderungen, wenn der Eingang innerhalb von 3 Wochen realistisch gesichert ist
- Verbindlich zugesagte Darlehensauszahlungen
- Fest zugesagte und realisierbare Gesellschaftereinlagen
- Vereinbarte Stundungen oder Zahlungsaufschübe (schriftlich fixiert)
✗ Nicht zulässig:
- Erwartete Umsätze
- „Normalerweise zahlen Kunden…"
- Hoffnungen auf Bankgespräche
- Noch nicht genehmigte Kredite
- Restrukturierungsmaßnahmen, die erst später greifen
⚠ Alle fälligen Auszahlungen
Alle Zahlungen, die innerhalb der nächsten 3 Wochen fällig werden. Keine Zahlung darf weggelassen oder verschoben werden, nur um das Ergebnis zu „retten".
- Lieferantenrechnungen
- Löhne und Gehälter
- Sozialversicherungsbeiträge
- Steuerzahlungen
- Mieten, Leasing
- Zinsen und Tilgungen
- Sonstige zwingende Zahlungsverpflichtungen
Was bedeutet „überwiegende Wahrscheinlichkeit"?
Das ist kein Bauchgefühl. Überwiegend wahrscheinlich heißt: sicher und belegbar.
✓ Ausreichende Sicherheit
- Schriftliche Zusagen
- Verträge oder Zahlungspläne mit hoher Verlässlichkeit
✗ Nicht ausreichend
- Mündliche Zusagen
- Absichtserklärungen
- Optimistische Annahmen
Was bedeutet „vollständig geschlossen"?
Am Ende der 3 Wochen darf keine erhebliche Liquiditätslücke mehr bestehen. Das bedeutet konkret:
- Alle fälligen Zahlungen können geleistet werden, und
- keine relevante Restunterdeckung bleibt bestehen.